Egal ob Holz, Glas, Porzellan oder Papiermaché – Thüringen hat die Stoffe, aus denen Weihnachtsträume sind. Im Freistaat wird aus den verschiedensten Materialien stimmungsvoller Weihnachtsschmuck gefertigt. Und manchmal sogar erfunden.

Ein Erfurter Original, das Weihnachten schöner macht.

Kerzenständer, Nussknacker, Schwibbögen – Kurt Hübner beherrscht die Kunst der Holzverarbeitung. Ein Handwerk, das sich der gelernte Orthopädie-Schuhmacher selbst beigebracht hat. Und mit dem er vor allem zu Weihnachten für jede Menge festlichen Glanz sorgt. Ganz in der weihnachtlichen Tradition Thüringens. 
Bei aller Tradition die Hübners Kreationen versprühen, bei ihrer Herstellung setzt er auf moderne Technologie. Die Motive entwickelt er am Computer und überträgt sie auf seine digitale CNC-Fräse. So entsteht klassischer Weihnachtsschmuck auf innovativem Weg. Wie lange noch? Das weiß Hübner nicht. Zwar ist er schon im Rentenalter, aber das Drechseln macht ihm noch immer so viel Spaß, dass er noch lange nicht ans Aufhören denkt.

Wie aus der Not ein Weihnachtsklassiker wurde.

Auch wenn es nicht jeder weiß, hat eigentlich so gut wie jeder ein Stück Lauscha bei sich zu Hause: Christbaumkugeln. Und das ist kein Zufall. Denn Lauscha ist seit mehreren Jahrhunderten ein Zentrum der Glasbläser: In Familien-Manufakturen wurden hier schon im 18. Jahrhundert Getränkegläser und Glasperlen hergestellt.

Die Weihnachtskugel entstand dabei der Legende nach aus der Not heraus. Denn obwohl ihre Kunst weit über die Grenzen Lauschas hinaus begehrt war, zahlte sich dies für die Glasbläser nicht in barer Münze aus. Und während sich reichere Familien ihren Weihnachtsbaum häufig mit Walnüssen und kandierten Äpfeln schmückten, war dies für die Bewohner im Thüringer Wald ein unerschwinglicher Luxus. Früchte und Zucker waren quasi unbezahlbar. Quarzsand, Soda und Pottasche – die Zutaten für die Glasherstellung – kosteten dagegen sehr wenig. Ein findiger Glasbläser aus Lauscha kam deshalb auf die Idee, Äpfel und Nüsse aus Glas zu blasen und sie an seinen heimischen Weihnachtsbaum zu hängen.

Die Christbaumkugel war geboren. Schnell machte sie die Runde, erst in Lauscha, wo immer mehr Glasbläser ins Geschäft einstiegen, dann weit über die Grenzen der Stadt, Thüringens und Deutschlands hinaus.

Die Frauen der Glasbläser.

Das Glasblasen war ursprünglich eine Familienangelegenheit. In Heimarbeit war die ganze Familie in die Produktion mit einbezogen. Und hier gab es eine klare Aufgabenteilung. Während den Männern die Aufgabe des Glasblasens am Feuer „vor der Lampe“ zukam, übernahmen die Frauen das Veredeln und Verzieren der Kugeln. Und auch der Transport des zerbrechlichen Weihnachtsschmucks zu den Sonneberger Verlegern war Frauensache. Von wegen „schwaches Geschlecht“. So waren die „Lieferfrauen“ mit den hochbeladenen, bis zu 20 kg schweren Tragekörben ein alltäglicher Anblick auf den Dorfstraßen.

Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhundert sind die Glasbläserfrauen einen beschwerlichen, 15 Kilometer langen Weg quer durch das Thüringer Schiefergebirge bis nach Sonneberg gewandert.

Wer nachempfinden will, was diese Frauen damals geleistet haben, der kann sich auf dem „Lauschaer Glasbläserpfad“ auf ihre Spuren begeben. Wir wünschen viel Spaß.

Die Glasbläserin – eine filmreife Geschichte.

Hochklassig besetzt und hochspannend. 2016 zeigte das ZDF den Film „Die Glasbläserin“ im Vorweihnachtsprogramm und konnte damit einen echten Erfolg landen. Der Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Petra Durst Bennings, erzählt die Geschichte der Schwestern Marie und Johanna Steinmann aus Lauscha, die im ausgehenden 19. Jahrhundert die Glasbläserei ihres verstorbenen Vaters in Eigenregie weiterbetreiben wollen. Eine Ungeheuerlichkeit zu damaligen Zeiten.

Ungeheuer gut kam vor allem die Leistungen der Hauptdarstellerinnen an, gespielt von Maria Ehrich und Luise Heyer. Über 5 Millionen Zuschauer bescherte der Film dem ZDF. Und den 5 Millionen Menschen einen schönen Fernsehabend.

Mehr als ein Handwerk, ein Kunstwerk.
Christbaumschmuck aus Lauscha.

Mundgeblasen und handbemalt. Noch heute werden in Lauscha Christbaumkugeln wie vor rund 175 Jahren produziert. Und damals wie heute erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Kein Wunder, schließlich ist jede Kugel ein Unikat. Sehen sie selbst.

Vom Christkind bis zu Donald Duck.

Noch heute entstehen in den Farbglashütten Lauschas Christbaumschmuck in Handarbeit. Waren es zunächst nur Kugeln, die die Glasbläser herstellten, wurden Formen und Farben mit der Zeit immer aufwendiger und detaillierter. Eine große Inspiration für die Glasbläser war von jeher die Natur vor der eigenen Haustür. Tannenzapfen, Früchte, Eulen, Sterne und das Mondgesicht waren beliebte Motive. Aber auch die Singvögel des Thüringer Waldes wie Dompfaffe, Zeisige und Stieglitze. Und das aus gutem Grund, dienten die kleinen Flugkünstler den Glasbläsern quasi als Alarmanlage.

Das Problem in den Werkstätten war nämlich, dass bei der Arbeit über dem offenen Feuer schnell der Sauerstoff aufgebraucht sein konnte. Darum hatte jeder Glasbläser einen Vogel an seinem Arbeitsplatz. Fiel dieser von seiner Stange, wusste der Glasbläser, dass es Zeit wurde, eine Pause zu machen und für neue Atemluft zu sorgen. Aus Dankbarkeit setzten sie den gefiederten Lebensrettern ein gläsernes Denkmal, das man noch heute an vielen Weihnachtsbäumen sieht.

Heute gehen die Motive weit über die heimische Flora und Fauna hinaus. Weihnachtliche oder Spirituelle Symbole wie das Christkind, Engel, Glocken und Trompeten gehören in jede wohl sortierte Weihnachtsschmuckkiste. Aber es geht auch deutlich ungewöhnlicher. Phantasie und Inspiration der Glasbläser sind praktisch keine Grenze gesetzt. So sind auch Disneyfiguren oder Dinos keine Seltenheit im Sortiment.

Wer sich selbst einmal ein Bild von der Glastradition Lauschas machen möchte, den laden die Farbglashütten und das Museum der Glaskunst zu einem Besuch ein. Und wer sich fragt, wie die aktuellen Christbaumkugeltrends aussehen, findet auf dem Lauschaer Kugelmarkt am ersten und zweiten Adventswochenende Antworten.

The Kugels erobern Amerika.

Der amerikanische Geschäftsmann Frank Woolworth war Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem „5-10-Cent“-Geschäftsmodell schwer reich geworden. 1880 suchte er Produkte, die sein Weihnachtsgeschäft ankurbeln sollten. Unter anderem im thüringischen Sonneberg. Die Stadt war eigentlich für Spielzeug bekannt. Aber Woolworth stieß auf die Christbaumkugeln aus Lauscha und erkannte sofort das Potenzial der filigranen Glaskunstwerke. Also nahm er sie in sein Gebrauchswaren-Sortiment auf. Die ersten Christbaumkugeln wurden über den Atlantik verschifft, entwickelten sich schnell zum Verkaufsschlager und schmückten fortan zahlreiche US-amerikanische Weihnachtsstuben. Der Siegeszug der „Kugels“ hatte begonnen. Und es sollte ein langer Zug sein. Amerika war über Jahrzehnte hinweg der größte Abnehmer der Lauschaer Weihnachtskugeln.

Es muss nicht immer eine Kugel sein.

Wahrscheinlich ist die Christbaumkugel der prägendste Weihnachtsschmuck „Made in Thuringia“. Aber bei weitem nicht der einzige. Auch andere Materialien, Formen und Techniken werden genutzt, um aus dem eigenen Wohnzimmer eine bunte Weihnachtswelt zu machen.

Pädagogisch wertvoll, weihnachtlich stimmungsvoll.

Wohl jeder, der in den Kindergarten gegangen ist, kennt den Fröbelstern. Ein Papierstern, der kunstvoll aus vier Papierstreifen geflochten wird. Der Ursprung des Sterns ist nicht zu 100% geklärt, wird vielfach in Skandinavien vermutet. Trotzdem trägt er den Namen eines berühmten Thüringers. Friedrich Fröbel, der Erfinder des Kindergartens entwickelte ein für diese Zeit völlig neues Erziehungsmodell. Die Kinder sollten nicht belehrt werden, sondern durch eigenes Erleben und Gestalten lernen. Dazu gehörte es auch, mit Papier handwerkliche Dinge zu Basteln, unter anderem die besagten Sterne, sodass der Name Fröbelstern sich einbürgerte. Sogar im englischsprachigen Raum, wo er „Froebel Star“ genannt wird. Genauso wie die Fröbel-Kindergärten haben auch die Fröbelsterne die Zeit überdauert. Unverändert seit ihrer Erfindung gibt es sie heute in allen nur denkbaren Größen und Farben. Sie erfüllen ihren Zweck als Lampe genauso wie als Christbaumschmuck.

Wie man aus Pappe Gold macht.

Hätte nicht irgendjemand sich mal die Rückseite der Kellertür des Unternehmens angesehen, wäre das Wissen um die Herstellung von Marolin-Weihnachtsschmuck für immer verloren gewesen. Dort befand sich nämlich die verloren geglaubte Familienrezeptur mit genauen Mengenangaben für die Herstellung der einzigartigen Pappmaché-Mischung Marolin. Aus dieser leicht formbaren Masse konnten Figuren so sensibel und detailgetreu geformt werden, wie es etwa mit Holz nicht möglich war. Wie schon bei Firmengründung im Jahre 1900 wird auch heute wieder alles kunstvoller Handarbeit ausgeführt. In mehreren Arbeitsschritten entstehen dabei filigrane Krippenfiguren, Zwerge oder Zapfen, die zur Adventszeit unterm Weihnachtsbaum oder der Fensterbank stehen.

Was schenkt man einer Königin?

Wie kommen 2000 Lauschaer Glaskugeln aus Thüringen an den Weihnachtsbaum der Queen? Ganz einfach: Die Queen hat sie sich gewünscht. Queen Elisabeth hatte in ihrer Weihnachtsansprache 2015 daran erinnert, dass es ihr Ururgroßvater, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, war, der die Tradition des Weihnachtsbaumes aus Deutschland nach England importiert hatte. 2016 machte daraufhin Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha der Queen ein ganz besonderes Geschenk: eine stattliche Nordmanntanne mit 2000 mundgeblasenen goldenen Glaskugeln. Jede mit einem Durchmesser von 20 cm. Die Schüler der Berufsfachschule für Glas in Sonneberg hatten diese Kugeln in monatelanger Handarbeit hergestellt.

Ein Thüringer Original? Oder eine amerikanische Legende?

Um die Entstehung der Weihnachtsgurke ranken sich viele Legenden. Aber für US-Amerikaner ist klar, sie stammt aus Thüringen. Sicher ist das nicht, aber eine schöne Geschichte allemal.

Dementsprechend fertigen Lauschas Glasbläser heute wie selbstverständlich das gläserne Gemüse. Der Brauch dahinter, ob er nun aus dem Freistaat stammt oder nicht, ist folgender: Die grünmetallisch schimmernde Weihnachtsgurke wird gut versteckt in den Weihnachtsbaum gehängt. Wer sie als Erstes entdeckt, bekommt einen Finderlohn oder darf vor allen anderen seine Geschenke öffnen.
Das weckt natürlich bei den Kindern ungeahnten Ehrgeiz.

Als der Nussknacker noch ein Nussbeißer war.

Wie jeder weiß, kommt der Nussknacker aus dem Erzgebirge. Wirklich? Wir haben da ein paar andere Informationen. Aufzeichnungen aus dem Thüringer Wald legen nahe, dass bereits 1735 sogenannte Nussbeißer im heutigen Freistaat geschnitzt wurden. Das wären rund 100 Jahre früher als in der östlichen Nachbarschaft.

Natürlich waren Nussknacker – oder eben Nussbeißer – schon immer dazu da, Nüsse zu knacken. Aber sie waren auch als Kinderspielzeug gedacht. Beliebte Figuren bei den „Hebelmännern“ waren Gendarme, Förster, Soldaten oder Könige, die Respekt einflößen sollten. Oder sie stellten lebenden Zeitgenossen dar wie z.B. Napoleon und Bismarck.

Ganz egal, wo die praktischen Figuren ihren Ursprung haben, in Thüringen nehmen die Holzkameraden einen besonderen Platz ein.

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